Stolpersteine bei Gesellschafterdarlehen an GmbH vermeiden

Die Finanzierung einer GmbH durch ihre Gesellschafter kann z.B. über Einlagen oder durch die Gewährung von Gesellschafterdarlehen erfolgen. Erfolgt sie über Gesellschafterdarlehen, dann gibt es aus steuerlicher Sicht einiges zu beachten.

***UPDATE VOM 01.10.2018: DIESER ARTIKEL IST AUFGRUND DER GEÄNDERTEN RECHTSPRECHUNG DES BFH VOM 11.07.2017 ZWISCHENZEITLICH ÜBERHOLT UND ENTSPRICHT SOMIT NICHT MEHR DEM AKTUELLEN STAND DER RECHTSPRECHUNG. EINEN KURZÜBERBLICK ÜBER DIE GEÄNDERTE RECHTSPRECHUNG DES BFH FINDEN SIE IN MEINEM UNTEN WIEDERGEGEBENEN KOMMENTAG VOM 01.10.2018. EINE ÜBERARBEITUNG DES FOLGENDEN BLOGBEITRAGS ERFOLGT NICHT MEHR.***
Unternehmerische Gründe gibt es viele, weshalb die Finanzierung einer GmbH nicht über den freien Kapitalmarkt, sondern über Mittel des Gesellschafters erfolgen soll. So spielt oft die Unabhängigkeit gegenüber Kreditinstituten eine große Rolle, die Beschaffung über externe Investoren wäre zu aufwendig oder man möchte bestimmte in der GmbH geplante Investitionen nicht gegenüber Dritten aufdecken.

In all diesen Fällen kann die Finanzierung der GmbH über den Gesellschafter eine sinnvolle Lösung darstellen. Der Gesellschafter legt hierfür Geld oder Sachmittel in seine GmbH ein, oder er stellt seiner GmbH ein sogenanntes Gesellschafterdarlehen zur Verfügung.

Zinseinnahmen aus dem Gesellschafterdarlehen

Gehört die Beteiligung an der GmbH zum Betriebsvermögen des Gesellschafters, dann führen die Zinsen aus dem Gesellschafterdarlehen bei ihm zu steuerpflichtigen Betriebseinnahmen.

Ist die Beteiligung dem Privatvermögen des Gesellschafters zuzuordnen, so erzielt der Gesellschafter mit den Zinseinnahmen aus dem Darlehen Einkünfte aus Kapitalvermögen. Bei einer Beteiligung an der GmbH von weniger als 10% werden die Zinsen beim Gesellschafter mit dem Abgeltungsteuersatz von 25% (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) besteuert. Beträgt die Beteiligung mindestens 10% unterliegen die Zinseinkünfte dem individuellen Einkommensteuertarif des Gesellschafters. Ggf. kann dann auch das sogenannte Teileinkünfteverfahren zur Anwendung kommen.

Ausfall des Gesellschafterdarlehens

Steuerlich knifflig wird es, wenn die GmbH das Gesellschafterdarlehen bei Fälligkeit nicht zurückzahlen kann und die Darlehensforderung beim Gesellschafter dessen Privatvermögen zuzuordnen ist.

Wenn der Gesellschafter schon nicht sein Geld zurückgezahlt bekommt, dann würde er in einer solchen Situation wenigstens gern den Darlehensverlust in irgendeiner Form steuermindernd berücksichtigen können.

Naheliegend wäre, dass der Verlust aus dem Gesellschafterdarlehen als nachträgliche Anschaffungskosten für seine Beteiligung an der notleidenden GmbH angesetzt werden kann. Leider ist hier die Rechtslage nicht eindeutig, so dass die Finanzverwaltung hohe Anforderungen an die Behandlung als nachträgliche Anschaffungskosten stellt. Gerade wenn das Gesellschafterdarlehen bereits zu einem Zeitpunkt gewährt wurde, in dem noch gar nicht absehbar war, dass die GmbH das Darlehen später nicht zurückzahlen kann, ergeben sich daraus für den Gesellschafter steuerliche Risiken.

Denn wird das Gesellschafterdarlehen bei Eintritt der Krise der GmbH stehen gelassen und nicht vom Gesellschafter zurückgefordert, dann will die Finanzverwaltung nur Anschaffungskosten in Höhe des Marktwertes (sog. gemeiner Wert) anerkennen. Da der Marktwert eines Darlehens an eine notleidende GmbH meistens deutlich unter dessen Nennwert liegt, geht in dieser Konstellation oft ein Großteil der steuerlichen Abzugsfähigkeit des Darlehensverlustes verloren.

Durch eine vorausschauende Steuerplanung kann dieses steuerliche Risiko aber in aller Regel vermieden werden. So kann z.B. der Gesellschafter bereits zum Zeitpunkt der Darlehenshingabe mit der GmbH vereinbaren, dass er das Darlehen auch im Falle einer Krise stehen lassen wird. Dann handelt es sich um ein sogenanntes krisenbestimmtes Darlehen, bei dem auch die Finanzverwaltung ein Ansatz von nachträglichen Anschaffungskosten in Höhe des Nennwerts des Gesellschafterdarlehens anerkennt.

Haben Sie Fragen zum Thema Gesellschafterdarlehen? Ich freue mich auf Ihren Kommentar oder Ihre Nachricht. Wenn Sie hierüber mit einem Steuerberater sprechen möchten, dann können Sie mich auch gern in meiner Kanzlei in Wiesbaden besuchen.

2 Kommentare zu “Stolpersteine bei Gesellschafterdarlehen an GmbH vermeiden

  1. Fatih

    Sehr geehrter Herr Bearbeiter,
    zuerst möchte ich mich für den Beitrag bei Ihnen bedanken.
    Mich würde es interessieren, ob es etwaige Unterschiede in
    der Handhabung des Falles seit dem BFH-Urteil vom 27.09.2017
    gibt.
    Insbesondere würde mich ihre Einschätzung zur Anwendbarkeit
    des § 20 bei Ausfällen eines Gesellschafterdarlehens, das eigen-
    kapitalersetzend ist, interessieren.

    Auf eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
    Vielen Dank 🙂

    Antworten
    1. Matthias Wilhelm

      Sehr geehrter Fatih_ay,

      vielen Dank für Ihren Kommentar im Zusammenhang mit meinem Blogbeitrag vom 13.03.2017. Bitte beachten Sie, dass dieser nicht die zwischenzeitlich erfolgte Rechtsänderung des BFH berücksichtigt:

      Der BFH hat nämlich mit seinem Urteil vom 11.07.2017 (veröffentlicht am 27.09.2017) seine Auffassung zur Behandlung von Finanzierungshilfen des GmbH-Gesellschafters radikal geändert, weil mit der Abschaffung der Eigenkapitalersatzregeln durch das MoMiG die Grundlage für die bisherige Recht- sprechung weggefallen sei. Hier ein allgemeiner erster Überblick über die geänderte Auffassung des BFH:

      * Der handelsrechtliche Begriff der Anschaffungskosten gilt gemäß der geänderten Rechtsprechung des BFH auch für § 17 EStG. Den (nachträglichen) Anschaffungskosten der Beteiligung können daher grundsätzlich nur solche Aufwendungen des Gesellschafters zugeordnet werden, die nach handels- und bilanzsteuerrechtlichen Grundsätzen zu einer offenen oder verdeckten Einlage in das Kapital der GmbH führen, wie insbesondere:
      A/ Nachschüsse iSd § 26 GmbHG,
      B/ Zuzahlungen iSd § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB, wie z.B. Einzahlungen in die Kapitalrücklage, Barzuschüsse zu Sanierungszwecken, Verzicht auf eine werthaltige Forderung,
      C/ Rangrücktritt iSd § 5 Abs. 2a EStG (von künftigen Einnahmen abhängige Verbindlichkeit).

      * Aufwendungen aus Finanzierungshilfen wie „Krisendarlehen“ oder Bürgschaftsübernahmen zugunsten der GmbH führen gem. dem o.g. Urteil ab 01.11.2008 grds. nicht mehr zu (nachträglichen) Anschaffungskosten der GmbH-Beteiligung iSd § 17 EStG.

      Aus Gründen des Vertrauensschutzes hat der BFH angeordnet, dass die bisherigen Grundsätze zur Berücksichtigung von nachträglichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen weiter anzuwenden sind, wenn
      * der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum 27.09.2017 geleistet hat oder
      * eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zum 27.09.2017 eigenkapi- talersetzend geworden ist.

      Meines Wissens hat sich die Finanzverwaltung zu der geänderten Rechtsprechung bisher nicht abschließend geäußert. Wie einer Kurzinformation der OFD Nordrhein-Westfalen vom 21.11.2017 sowie einer Verfügung des LfSt Niedersachsen vom 13.3.2018 zu entnehmen ist, sind die Auswirkungen des Urteils aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtsproblematik Gegenstand der Erörterungen auf Bund-Länder-Ebene. Entsprechende Steuerfälle werden bis zu einer abschließenden Entscheidung offen gehalten.

      Bitte beachten Sie, dass diese allgemeinen Informationen keine individuelle Beratung ersetzen können.

      Ihr
      Steuerberater Wilhelm

      Antworten

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